Apartments auf vier Rädern

Der Artikel über den Caravan-Salon ist nach dem Baukastenprinzip entstanden: Alle Kunden bekamen einen Text, ergänzt um Absätze über Aussteller aus dem jeweiligen Verbreitungsgebiet. Hier zu sehen ist der Artikel, wie er in der Frankenpost (Hof) erschienen ist. Weitere Kunden waren die Mittelbadische Presse und die Passauer Neue Presse.

Marktschorgast/Düsseldorf. Die Caravanbranche schwächelt, die europäische Krise verdirbt das Exportgeschäft. Wohnmobilhersteller Frankia aus Marktschorgast stemmt sich dagegen – die Strategie der Franken: Sie konzentrieren sich auf das Luxussegment.

Frankenpost, 31. August 2013

Frankia-Marketingchef Ralph Hawlisch
Extras erwünscht: Frankia-Kunden lassen sich gern eine Fahrradgarage ins Wohnmobil bauen – auf Wunsch liefert Marketingleiter Ralph Hawlisch aber auch einen integrierten Autostellplatz.
Für manche muss es einfach ein bisschen mehr Luxus sein: ein großes Bad, Backofen, Geschirrspüler – und das alles unterwegs. Können sie haben: „Die Leute wollen auch mal drei oder vier Tage in der Pampa stehen können, ohne auf etwas verzichten zu müssen“, sagt Ralph Hawlisch, Marketingleiter des Wohnmobilherstellers Frankia aus Marktschorgast. Die Modelle, die dort vom Band laufen, unterscheiden sich komplett von den Reisemobilen früherer Tage. „Das sind Apartments auf vier Rädern“, sagt Hawlisch. Für den Komfort unterwegs muss der Kunde natürlich entsprechend investieren – für Komplettpakete stehen schon einmal 220.000 Euro auf dem Preisschild.

Zumindest anschauen kann sie derzeit jeder auf dem Caravan-Salon, der weltweit wichtigsten Messe für Wohnmobile und –wagen. Wie Frankia zeigen rund 570 Aussteller ihre Produkte, die Veranstalter rechnen mit rund 160.000 Besuchern. Die Ausstellung ist Gradmesser einer schwächelnden Branche: Wegen Exportschwierigkeiten drosselten die Hersteller ihre Wohnwagenproduktion in der ersten Jahreshälfte um mehr als ein Viertel, auch liefen 3,6 Prozent weniger Wohnmobile vom Band, wie der Caravaning Industrie-Verband (CIVD) mitteilt. Die Organisation macht die Wirtschaftskrise in Südeuropa für den Einbruch verantwortlich – in den vergangenen Jahren setzten die deutschen Wohnwagenbauer rund die Hälfte ihrer Produkte im Ausland ab.

Hersteller produzieren mehr Wohnmobile als Caravans

Auch der Heimatmarkt ist keine sichere Bank mehr für die deutschen Hersteller: Knapp 13.000 Wohnwagen meldeten die deutschen Kunden von Januar bis Juli an, ein Minus von 5,6 Prozent. Ein gutes Geschäft machen die Unternehmen hingegen mit Wohnmobilen: Erstmals überholten deren Produktionszahlen die der Caravans, in Deutschland wurden bis Juli gut 19.000 Stück angemeldet – 2,6 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Ralph Hawlisch machen die ungewissen wirtschaftlichen Aussichten weniger Angst. Frankia, das mit rund 120 Mitarbeitern in Marktschorgast produziert, vermeidet nämlich den Massenmarkt. Mit 400 bis 450 Wohnmobilen, die im Jahr durchs Werkstor rollen, gehört der Hersteller zu den Kleineren in der Branche – und bedient nicht den typischen Käufer: „Die meisten unserer Kunden sind im Rentenalter oder kurz davor“, sagt Hawlisch. In dieser Zielgruppe haben viele auf ihr Traummobil gespart und greifen zu – daran ändert auch eine schwache Konjunktur wenig. Der gehobene Markt ist stabil, dasselbe gilt für den Umsatz von Frankia, der zuletzt bei rund 30 Millionen Euro gelegen habe.

Toter Markt Südeuropa

Die Marktschorgaster fertigen nicht auf Halde, sondern nur auf Kundenwunsch. Dass aus krisengeschüttelten Ländern wie Italien und Spanien weniger Aufträge kommen, sei nicht dramatisch, sagt der Marketingchef: „Da ist der Markt tot.“ Die Wohnmobile aus Oberfranken gehen hauptsächlich nach Skandinavien und Frankreich, die südlichen Länder seien auch vor der Krise kein entscheidender Absatzmarkt gewesen.

Wer allerdings bei Frankia-Modellen zugreift, hat hohe Ansprüche – und in aller Regel einen LKW-Führerschein. Die großen Aufbauten mit allen erdenklichen Extras müssen meist auf Laster-Fahrgestelle gesetzt werden. Dafür ist dann aber wirklich fast alles möglich: Zu den Optionen gehört auch eine Autogarage im Wohnmobil.


DIE TRENDS DER CAMPER

Stichwort: Glamping

Nicht nur Frankia, auch viele andere Hersteller bieten mittlerweile eine Mitnahmemöglichkeit fürs Auto im Wohnmobil an. Wohnmobile und -wagen mit allen Schikanen werden für die Branche immer wichtiger – der Trend heißt „Glamping“ (für “glamouröses Camping”). Das bedeutet: Camping kreuzt sich mit dem Komfort eines Hotelurlaubs. Zu den gefragtesten Extras gehören ein großer Flachbildschirm, eine vollausgestatte Küche, Panoramadächer, LED-Beleuchtung. Wer großen Wert auf Details legt, kann sich auch Zierleisten aus altem Eichenholz einbauen lassen. Größter Komfortfaktor ist jedoch das Bett – das ist häufig ausladender als in vielen Schlafzimmern. Auch die Campingplatzbetreiber haben sich auf die hohen Ansprüche der zahlungskräftigen Klientel eingestellt: Luxusplätze, gelegen etwa in den betuchten Gegenden Südfrankreichs, bieten hochklassig ausgestattete Zelte oder Stellwagen an – oft gehört der Zimmerservice dazu.