Gegenwind für die Windkraft

Der Artikel über die Hannover Messe ist nach dem Baukastenprinzip entstanden: Alle Kunden bekamen einen Text, ergänzt um Absätze über Aussteller aus dem jeweiligen Verbreitungsgebiet. Hier zu sehen ist der Artikel, wie er in der Frankenpost (Hof) erschienen ist. Weitere Kunden waren die Passauer Neue Presse und das Flensburger Tageblatt.

Hannover/Hof. Der Markt für Windkraft ist schwieriger geworden – das merken auch Hersteller aus Franken. Auf der Hannover Messe, der weltweit wichtigsten Industrieschau, hoffen sie auf bessere Geschäfte mit Erneuerbaren Energien. Die werden auch von der Politik bestimmt.

Frankenpost, 11. April 2013

EW Hof auf der Hannovermesse
Antrieb für bessere Geschäfte: EW-Hof-Vertriebschef Jürgen Kluge zeigt einen Motor, der die Flügel von Windrädern ausrichtet.
Noch ist die Energiewende längst nicht geschafft – doch beim Hofer Antriebshersteller EW Hof haben ihre Anfänge bislang für gute Geschäfte gesorgt: „Es ist nicht abzusehen, dass der Markt für Erneuerbare Energien schwächer wird“, sagt Vertriebsleiter Jürgen Kluge. Das Unternehmen stellt unter anderem Motoren her, mit denen die Rotorblätter von Windrädern ausgerichtet werden.

Dennoch musste EW Hof im vergangenen Jahr einen Dämpfer hinnehmen: Kluge spricht von etwa 15 Prozent Umsatzrückgang. Grund: Eine mögliche Reform der Einspeisevergütung für die Betreiber von Windkraftanlagen. Weil noch unklar ist, wie das Erneuerbare-Energien-Gesetz künftig aussieht, hielten sich Investoren zurück. Und weniger neue Windanlagen bedeutet: Ein schlechteres Geschäft für den Motorenbauer, der in Hof etwa 45 Mitarbeiter beschäftigt.

Die Branche ist verunsichert

Dennoch rechnet Kluge in der zweiten Jahreshälfte 2013 mit einer Belebung – und vertritt sein Unternehmen auf der Hannover Messe, der Branchenschau der weltweiten Industrie. Seit Montag sind dort mehr als 6.500 Aussteller aus 62 Ländern vertreten.

Das Schicksal von Herstellern aus dem Feld der grünen Energie steht dabei besonders im Fokus, denn ihr Markt ist deutlich von Entscheidungen aus Berlin abhängig. „Die Politik hat in den vergangenen Monaten bei Investoren und Betreibern von Erneuerbare-Energien-Anlagen für eine hohe Verunsicherung gesorgt“, erklärt der Geschäftsführer des Bundesverbands Erneuerbare Energien, Hermann Falk. Der Verband fürchtet, dass die Regierung bei der Energiewende auf die Bremse drücken könnte – der Ausbau der Technologie dürfe „nicht gedeckelt“ werden, sagt Falk. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz, das auch die Vergütungen für Betreiber von Wind- und Solaranlagen regelt, müsse überarbeitet werden. Strom aus natürlichen Quellen deckte im vergangenen Jahr knapp 23 Prozent des Energieverbrauchs in Deutschland.

Florierendes Geschäft lässt nach

Hersteller Markus Schwarz
Elektromotoren sind das Zukunftsgeschäft – auf der Hannover Messe fiebert Hersteller Markus Schwarz dem Durchbruch der Technologie entgegen.
Der Rehauer Hersteller Schwarz kennt die Probleme, die auch EW Hof betreffen: Das eigentlich florierende Geschäft mit der Windkraft habe 2012 nachgelassen, sagt Geschäftsführer Markus Schwarz. Das habe auch auf den Umsatz geschlagen. Das Unternehmen, das in Rehau 15 Mitarbeiter beschäftigt, fertigt ebenfalls Motoren für Windrad-Flügel. In Deutschland fehle es an Wachstumspotential: „Die Gebiete hier sind fast ausgeschöpft“, sagt Schwarz. Daher suchen die Rehauer ihr Heil im Ausland – rund 65 Prozent der Produkte würden exportiert, etwa nach China und Indien.

Windkraft ist jedoch nicht das einzige Geschäft: Motoren für Elektroautos sollen in der Zukunft eine immer größere Rolle spielen. Auch in dieser Branche hat sich Schwarz Partner im Ausland gesucht – denn in Deutschland werde der Durchbruch des Elektroautos noch auf sich warten lassen, weil es noch an der Produktion leistungsstarker Batterien mangle. Die Industrie hindere sich durch ihren Anspruch auf Perfektion: „Es wird soviel geforscht, dass kaum jemand produziert.“


DIE HANNOVER MESSE

Die seit 1947 jährlich veranstaltete Messe ist der Nabel des globalen Industriegeschäfts – und wird immer internationaler: Erstmals kommen in diesem Jahr mehr als die Hälfte der Aussteller aus dem Ausland. Das größte Kontingent unter den internationalen Firmen stellt dabei China. Im vergangenen Jahr zog die Hannover Messe gut 183.000 Besucher an. 2013 besteht die Industrieschau aus elf Teilmessen, einer für jede Branche – etwa Energie, Windkraft oder Elektromobilität. Leitthema ist in diesem Jahr „Integrated Industry“ – damit ist die immer stärkere Vernetzung von Maschinen gemeint: Autos können miteinander kommunizieren, Industrieöfen können sich selbst warten und sofort Fehler melden.