Verjüngungskur für Frankenwein

Der Artikel über die Weinmesse Prowein ist nach dem Baukastenprinzip entstanden: Alle Kunden bekamen einen Text, ergänzt um Absätze über Aussteller aus dem jeweiligen Verbreitungsgebiet. Zudem erhielten sie die Option auf das Interview mit einem Sommelier. Hier zu sehen ist der Artikel, wie er im Main Echo (Aschaffenburg) erschienen ist. Weitere Kunden waren der Südkurier (Konstanz) und Radio Gütersloh.

Düsseldorf/Alzenau. Leicht, fruchtig, süffig: So müssen Weine für junge Kunden sein, sagen die fränkischen Winzer – und wollen mit ihren Tropfen eine neue Zielgruppe ansprechen. Ein Besuch auf Deutschlands größter Weinmesse zeigt: Die Jungen entdecken Wein als neues Trendgetränk.

Main Echo, 26. März 2013

Jungwinzer Johannes Höfler
Die Weinbranche legt weiter zu – Jungwinzer Johannes Höfler aus Alzenau und Mitarbeiterin Ida Didinger wollen mithalten.
Der fränkische Jahrgang 2012? Schlank ist er, geprägt von den Mineralien im Boden, nicht zu wuchtig, könnte man sagen. Man könnte auch sagen: „Da zwickt und zwackt nichts“ – so beschreibt Johannes Höfler die Weine aus dem Gut seines Vaters Bernhard in Alzenau. Die leichten, trinkbaren Tropfen sollen vor allem bei Kunden im Alter von 23 bis 35 Jahren ankommen. Trotz der Verjüngungskur bleibt der Verkauf traditionell: 80 Prozent der Flaschen würden auf dem Hof verkauft, sagt Höfler.

Nun soll auch ein breiteres Publikum die Weine kennen lernen: Der Betrieb präsentiert sich auf der Prowein in Düsseldorf, Deutschlands größter Weinmesse mit knapp 4.800 Ausstellern aus rund 50 Ländern. Die Veranstalter erwarten rund 40.000 Fachbesucher.

Weininstitut rechnet mit weniger Ernte

Für die deutsche Weinbranche stehen die Zeichen gut: Sie steigerte ihren Umsatz im vergangenen Jahr um 2,1 Prozent und machte trotz einer mageren Weinlese im Jahr 2011 weiter Boden auf dem heimischen Markt gut (siehe Kasten). 2012 rechnete das Deutsche Weininstitut (DWI) in Mainz mit zwei Prozent weniger Ernte für alle deutschen Weinbaugebiete. Allerdings sei die vergangene Lese ein guter Jahrgang gewesen – Grund dafür seien der milde Sommer und der sonnige Herbst. Von allen Weinbaugebieten verzeichnete Franken 2012 den größten Zuwachs bei der Erntemenge: Das DWI gab ein Plus von satten 30 Prozent an.

Doch die Menge ist nicht alles: Im Alzenauer Weingut hätten die Winzer konsequent Trauben aussortiert – um der Qualität willen, sagt Johannes Höfler.

Junge Genießer sind neue Zielgruppe

Das Eußenheimer Weingut Höfling verfolgt ähnliche Ziele. Klaus und Miriam Höfling wollen mit ihren Familienbetrieb junge Weintrinker erreichen, haben dafür eigens die leicht trinkbare Serie „First Class“ ersonnen – und damit auf neue Gewohnheiten reagiert: „Auf einer Geburtstagsparty bietet man nicht mehr zehn verschiedene Cocktails, sondern fünf verschiedene Weine an“, sagt Klaus Höfling. Kunden Mitte zwanzig wollten ihren Freunden zeigen, dass sie von Wein etwas verstehen. Die Jungen hätten allerdings einen anderen Geschmack, freuten sich über viel Frucht und ein wenig Kohlensäure – oder auf einen Traubensaft-Secco ganz ohne Alkohol. „Autofahren ist da nämlich auch ein ganz wichtiges Thema“, sagt Höfling.


INTERVIEW: DIE WEINBRANCHE

Action in der Weinflasche

Sommelier Thomas Sommer
Guter Riecher: Thomas Sommer probiert und empfiehlt Weine für ein Zwei-Sterne-Hotel im Rheinland.
Gediegen und langweilig? Das war früher – heute entdecken die Menschen Wein als Modegetränk, sagt Thomas Sommer. Der 35-Jährige ist Chefsommelier im Schlosshotel Lerbach in Bergisch-Gladbach und wurde vom Gault-Millau-Restaurantführer als Sommelier des Jahres 2013 ausgezeichnet. Im Interview verrät er, welche Weine derzeit im Trend sind – und warum der Aufdruck „Bio“ keine Qualitätsgarantie ist.

Der Alkoholkonsum geht seit Jahren zurück, auch beim Wein. Trotzdem zahlen die Kunden mehr Geld pro Flasche als früher – lernen wir erst jetzt guten Wein zu schätzen?

Wein gilt derzeit als hip. Das ist eine Entwicklung, die wir weltweit in den Metropolen sehen. Die Städte sind sehr weinaffin geworden, die Menschen wollen mehr über Wein wissen. Deutschland ist dabei noch leicht hintenan – anders als etwa in den USA oder Frankreich, wo Wein auch viel öfter zum Mittagessen getrunken wird.

Wie hat sich der Weingeschmack der Deutschen in den vergangenen Jahren verändert?

Die Welle der trockenen Weine ist vorbei. Bis vor einigen Jahren sollte in den Weinen bloß kein Gramm Restzucker enthalten sein – heute sehen sich die Menschen wieder nach mehr Frucht und Körper. Die perfekte Balance ist das Ziel.

Auch Bioweine sind stark gefragt – sind sie von höherer Qualität?

Sicher gibt es viele hochwertige Bio-Weine – es gibt aber auch Güter, die das Siegel als reines Marketinginstrument missbrauchen. Man muss skeptisch bleiben: Will der Winzer mit dem Öko-Anbau seine Weinberge für die nächste Generation gesund erhalten – oder bloß mehr Wein verkaufen? Für Bio muss ein Weingut mehr Leistung bringen – das haben nicht alle verstanden.

Welches deutsche Anbaugebiet ist momentan im Trend?

Sehr interessant ist zum Beispiel die Nahe. Das Gebiet hat es geschafft, sich aus dem Schatten des Rheingau zu lösen und ein eigenes Profil zu entwickeln. Die Winzer bauen ihren Wein so aus, dass man Lagen klar herausschmecken und wieder erkennen kann. Die bringen wirklich Action in die Flasche.

Knapp 40 Prozent aller Weinflaschen werden im Discounter verkauft – finde ich da überhaupt einen guten Wein?

Das ist eine Sache der Perspektive: Sie werden als Weintrinker immer ihre Stilistik bevorzugen und wenn Sie gewohnt sind, Weinqualitäten aus dem Supermarkt zu trinken, welche techisch völlig in Ordnung sind, werden ihnen höhere angesehene Weine nicht automatisch gleich besser gefallen. Sie müssten sich dann erst einmal an diese Art Wein und Ausdruck gewöhnen. Dem Preis entsprechend bekommt man schon trinkbare gute Weine im Discounter – aber es gibt mittlerweile überall gute Weingeschäfte. Der kleine Umweg lohnt sich.