Verkorktes Geschäft

Herford. Billigimporte haben den Markt für Weinkorken beschädigt. Verbandschef Frank Müller schöpft jedoch wieder Hoffnung, weil die Kunden häufiger zu teuren Weinen greifen. Dort dient der traditionelle Verschluss als Qualitätssymbol.

Neue Westfälische, 10. Juli 2013

Korkverbands-Geschäftsführer Frank Müller
Ein Händchen für die Tradition: Der Geschäftsführer des Deutschen Korkverbands, Frank Müller, sieht bei Weinverschlüssen die Trendwende gekommen.
Einen langen Weg hat der Korken hinter sich, bis ihn jemand mit einem herzhaften „Plop“ aus einer deutschen Weinflasche zieht: Um die zehn Jahre wächst er in der Rinde der Korkeiche, vor allem in Portugal und auf Sardinien. Aus der abgezogenen Rinde stanzen ihn Arbeiter in seine runde Form und schicken ihn nach Deutschland, wo er in einem weiteren Unternehmen nochmals veredelt wird. Schließlich darf er zum Winzer, um später eingezwängt in den engen Flaschenhals darauf zu warten, dass ihn jemand kauft.

Häufig wartet er allerdings lange: Nur noch jede dritte verkaufte Weinflasche ist mit einem Naturkork verschlossen. Das traditionelle Produkt hat Konkurrenz bekommen durch Plastikverschluss, Schraubdeckel oder einen neumodischen Glaspfropfen.

Eine Billigwelle ruinierte den Markt

Vor der Jahrtausendwende habe das noch anders ausgesehen, erinnert sich der Geschäftsführer des Deutschen Korkverbands, Frank Müller. Da gab es neben dem Verschluss aus der Eichenrinde: nichts.

Der Verband hat seinen Sitz in Herford, und damit in der Möbelregion OWL. Von den 15 Mitgliedsunternehmen stellen nämlich nur vier Flaschenverschlüsse her, die anderen produzieren Korkböden. Eine der wichtigsten Aufgaben der Importeure ist die Auslese der Korken – denn deren Qualität schwankt wie bei jedem anderen Naturprodukt.

Deswegen ging es zu Beginn des Jahrtausends schief, als die deutschen Hersteller von einer Billigwelle aus Portugal überrollt worden, erzählt Müller: Die Winzer importierten die Korken direkt aus dem Herkunftsland, aussortiert wurde nichts – und so landeten massenhaft Verschlüsse mit Rissen und großen Poren in den Flaschen. Bakterien sammelten sich, schädliche Stoffe gelangten ins Getränk – kurz: Der Wein „korkte“, verkam zum muffigen Gesöff und ruinierte den Ruf des Verschlusses.

Discounter-Weine brauchen keinen Kork

In der Zeit drängten die alternativen Verschlüsse auf den Markt. Die größte Erfolgsgeschichte schrieb der Schraubverschluss, der mittlerweile auf der Hälfte aller verkauften Flaschen sitzt. Doch der Trend habe sich umgekehrt, sagt Müller. Die Talsohle habe der Naturkork zwischen 2006 und 2007 durchschritten. Die neue Lust an der Tradition gehe mit der gestiegenen Nachfrage für hochwertigen Wein einher: Zwar schrumpft hierzulande der Markt insgesamt, doch lassen sich die Verbraucher eine Flasche mittlerweile mehr kosten als früher. Dazu gehöre der Naturkorken – als Symbol der Hochwertigkeit, sagt Müller. In Billigflaschen aus dem Supermarkt steckt der Kork ohnehin schon lange nicht mehr: Erst ab einem Flaschenpreis von etwa sechs Euro erreichten die Winzer eine Gewinnmarge, bei der es sich lohne, den traditionellen Verschluss zu verwenden, sagt Müller. Ein anständiger Korken koste 30 bis 70 Cent, für die höchste Qualitätsstufe würden sogar Preise von über einem Euro pro Stück aufgerufen.

Trotzdem bleibt die Angst, der edle Wein könnte doch mal „korken“. Doch Müller gibt Entwarnung: Bei schlechter Lagerung des Weins seien Flaschen mit anderen Verschlüssen genauso betroffen – nur das Wort für den schlechten Geschmack hält sich hartnäckig.