Bayerischer Wald setzt auf Touristen aus dem Netz

Der Artikel über die Internationale Tourismusbörse ist nach dem Baukastenprinzip entstanden: Alle Kunden bekamen einen Text, ergänzt um Absätze über Aussteller aus dem jeweiligen Verbreitungsgebiet, zudem das Interview mit einer Tourismusexpertin als Beipapier. Hier zu sehen ist der Artikel, wie er in der Passauer Neuen Presse erschienen ist. Weitere Kunden waren unter anderem der Südkurier (Konstanz).

Berlin/Passau. Deutschlands Urlauber werden älter – darauf stellt sich auch die Tourismusbranche im Bayerischen Wald ein. Die Vermarktung verlagert sich allerdings zunehmend in den modernsten Reisekatalog von allen: ins Internet.

Passauer Neue Presse, 12. März 2013

Ulrike Eberl-Walter
Ulrike Eberl-Walter vom TourismusverbandOstbayern zeigt auf dem Stand des Verbandes auf der ITB in Berlin Prospekte über Freizeitangebote im Bayerischen Wald und dem Golf- und Thermenland.
Immer mehr Feriengäste buchen ihre Reisen über das Internet – auf das Besucherpotential will der Bayerische Wald nicht verzichten. „Unser wichtigstes Projekt ist, dass möglichst viele Gastgeber online präsent sind“, sagt die Sprecherin des Tourismusverbands Ostbayern, Ulrike Eberl-Walter. 700 Hotels, Pensionen und Privatanbieter der Region seien mittlerweile in den Urlaubsportalen vertreten. Für den Tourismus ist das Internet ein Faktor, der immer wichtiger wird – auf das intensive Marketing führt Eberl-Walter auch die Rekord-Gästezahlen aus dem vergangenen Jahr zurück: 1,75 Millionen Besucher zog es in den Bayerischen Wald, ein Plus von 4,9 Prozent zum Vorjahr.

Ganz klassisch wirbt die Region derzeit auf der am Mittwoch eröffneten Internationalen Tourismusbörse ITB in Berlin. Zur größten Reisemesse der Welt werden 170.000 Gäste erwartet.

Neuer Übernachtungsrekord

Deutschland ist als Tourismusziel sowohl im In- als auch im Ausland gefragt. Das Gastgewerbe verzeichnete 2012 einen Rekord bei den Übernachtungen. Nach Angaben des Deutschen Tourismusverbands stieg die Übernachtungszahl in Hotels und auf Campingplätzen um 3,6 Prozent auf 407 Millionen. Knapp 69 Millionen davon entfielen auf ausländische Besucher, hier betrug das Plus sogar acht Prozent.

An den Besucherzahlen des Bayerischen Waldes lässt sich der Fokus auf Kurzurlauber ablesen: Da die Zahl der Gäste im vergangenen Jahr stärker zulegte als die der Übernachtungen, sank die durchschnittliche Aufenthaltsdauer. „Wellness- und Wanderferien sind typische Kurzurlaube, bei denen die Gäste keine lange Anreise in Kauf nehmen möchten“, sagt Eberl-Walter. Demnetsprechend kämen die meisten Gäste aus Bayern und Baden-Württemberg.

Sporttouristen und Senioren

Gefragt sei neben Familien- und Wohlfühl-Urlaub vor allem das Angebot für sportliche Touristen: Die Gäste kämen zum Wandern und Radfahren – und zunehmend wegen der großen Zahl an E-Bikes, den Fahrrädern mit unterstützendem Elektromotor. Im Laufe von 2012 dehnte der Tourismusverband das Netz an Verleihstationen auf das Golf- und Thermenland aus. Mittlerweile sind die modernen Zweiräder für einige Touristen der Hauptgrund für ihre Reise: „Manche wollen schon bei der Buchung ein E-Bike reservieren“, sagt Eberl-Walter.

Weil mit den Rädern auch schwerere Touren gut zu schaffen seien, sei das Angebot auch für ältere Menschen attraktiv – schließlich kann heute keine Tourismusregion die Gäste in den höheren Jahren ignorieren. So, wie die deutsche Bevölkerung altert, tun es auch die Urlauber. Die Region hat sich darauf eingestellt: Der Landkreis Freyung-Grafenau stellt eine Karte für barrierefreies Reisen zur Verfügung, auch der Gesundheitstourismus steht weiter hoch im Kurs. Zudem brächten die älteren Besucher ein hohes Qualitätsbewusstsein mit, sagt Eberl-Walter: „Viele Hotels haben in ihre Ausstattung investiert.“


INTERVIEW: DIE TOURISMUSBRANCHE

Die Baby-Boomer kommen

Sylvia Knecht
Tourismus im Blick: Dozentin Sylvia Knecht analysiert den deutschen Reisemarkt.
Waren früher Mallorca oder die Toskana das Maß aller Dinge, gewinnen die Deutschen ein Reiseziel derzeit immer lieber: Deutschland. Etliche touristische Regionen konkurrieren um die Feriengäste – und nutzen das wirtschaftliche Potential häufig nicht aus, sagt Sylvia Knecht. Die Leiterin einer Beratungsagentur lehrt Tourismus an der Kölner Hochschule Fresenius. Im Interview erklärt sie, vor welchen Herausforderungen die Urlaubsbranche in Ostbayern steht.

Früher galt Urlaub in Deutschland als langweilig, jetzt wird er immer populärer. Wer macht denn Ferien vor der eigenen Haustür?

Vor allem die Generation der Baby-Boomer, die mittlerweile auf die 60 zugeht. Viele von ihnen sind nicht mehr so mobil, zudem haben sich die Tourismusregionen besser auf die Bedürfnisse älterer Menschen eingestellt – für sie Deutschland ist das Reiseland schlechthin.

Wie können Tourismusregionen von dem Boom profitieren?

Der häufigste Fehler ist, dass Kommunen es nicht schaffen, Standortmarketing und Tourismus zu verbinden. Da arbeiten zwei Institutionen aneinander vorbei. Beispielsweise könnten Firmen, die nach Fachkräften suchen, bei Touristen für ihre Stellen werben. Oder eine Region, die auf den Möbelbau spezialisiert ist, macht die Feriengäste auf ihre Produkte aufmerksam. Das ist eine lange Wertschöpfungskette, die nicht funktioniert, wenn der Tourismus ein Silo-Dasein fristet.

Ostbayern hat ein extrem umfangreiches Ferienangebot – das Bäderdreieck, das Golfressort, die Wanderwege, eine Westernstadt. Wie kann die Region das Tourismussegment an sich ankurbeln?

Sie muss sich fragen: Welche Zielgruppe interessiert sich wofür am meisten? Die Attraktionen, die am beliebtesten sind, müssen ganz nach vorne gestellt werden, dann ziehen sie andere Angebote mit. Für Bayern wird ja häufig über die sprichwörtliche Verbindung von „Laptop und Lederhose“ gesprochen – die Region ist also auf Arbeitnehmer spezialisiert. Die haben häufig Familie. Dementsprechend muss man auf sie zugehen.

Was ist die größte Herausforderung für das Tourismusgebiet?

Sicherlich die Demografie – die Menschen hier werden älter. Anfangs wirkt das vielleicht noch pittoresk, aber später haben wir hier womöglich jede Menge Geisterdörfer. Das ist unattraktiv für Touristen. Vor allem, wenn mit den Einwohnern auch die Investitionen schrumpfen und die Infrastruktur schlechter wird.

Häufig vertreibt auch das schlechte Wetter die Gäste. Wie kann man sie länger am Ort halten?

Das ist schwierig – nicht nur hier, sondern auch in chronisch regnerischen Gebieten wie an der Nordsee. Es müssen reichlich Alternativangebote wie Museen und Hallenbäder her. Wenn es davon zu wenig gibt, sind sie an Regentagen überfüllt. Das macht dann auch niemandem mehr Spaß.

Welche Urlaubsart ist momentan besonders im Trend?

Der Städtetourismus wächst weiter stark. Gerade Kulturmetropolen können touristisches Programm und Kulturereignisse in Tagestouren verbinden. Von dem Städte-Trend profitieren die Hoteliers allerdings nicht mehr so stark, weil sich die Gäste immer häufiger über Internetportale in Privatwohnungen einmieten.