Bio wird für Niederbayern immer wichtiger

Der Artikel über die Öko-Messe Biofach ist nach dem Baukastenprinzip entstanden: Alle Kunden bekamen einen Text, ergänzt um Absätze über Aussteller aus dem jeweiligen Verbreitungsgebiet. Hier zu sehen ist der Artikel, wie er im Straubinger Tagblatt/Landshuter Zeitung erschienen ist. Weitere Kunden waren der Südkurier (Konstanz), die Neue Westfälische (Bielefeld) und das St. Galler Tagblatt.

Rotthalmünster/Nürnberg. Die einen wagen in Sachen Bio den großen Wurf, bei den anderen macht das Öko-Geschäft schon lange den Hauptteil aus. Was die Hersteller aus Niederbayern eint: Bio ist ihr Zukunftsmarkt. Mit ihren Produkten zeigen sie sich auf der Leitmesse Biofach.

Straubinger Tagblatt/Landshuter Zeitung, 16. Februar 2013

Meyermühle-Chef Michael Hiestand
Öko-Mehl hat bei Michael Hiestand von der Meyermühle in Landshut Tradition – nun soll seine Herstellung noch regionaler werden.
Ein Kraftakt war sie schon, die Umstellung: Käse von Innstolz reift neuerdings in einer speziellen Folie, die die Rinde vor Schimmel bewahrt – früher erledigten das Zusatzstoffe. Details wie diese gehören zum neuen Produkt des Herstellers aus Rotthalmünster: Käse mit Bio-Zertifikat. Gab es den Käse zuvor nur aus konventioneller Herstellung, sollen nun auch Öko-Jünger auf den Geschmack kommen. „Das ist für uns eine Philosophie, da zählt nicht allein der Ertrag“, sagt Vertriebsleiterin Christine Weiß.

Mehr als nur ein Trend

Die Neuheit stellt Innstolz auf der Biofach vor, der weltgrößten Öko-Messe, die am Mittwoch in Nürnberg begann. Knapp 2.400 Aussteller zeigen sich auf der Branchenschau, die jährlich rund 40.000 Fachbesucher aus aller Welt anzieht.

Deutsche Bio-Hersteller rechnen für das laufende Jahr mit einem guten Geschäft, nachdem sie zuvor einen kräftigen Zuwachs verzeichneten (siehe Kasten). Hinter den Steigerungen steckt mehr als nur ein Trend: „Das ist das Zeichen für einen gesellschaftlichen Wandel“, sagt der Vorstandsvorsitzende des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), Felix Prinz zu Löwenstein. Mit dem Umstellungstempo der Verbraucher können landwirtschaftliche Betriebe jedoch nur schwer mithalten: Wegen der hohen Nachfrage würden Bioprodukte zunehmend importiert, weil die Bauern nicht schnell genug neue Anbauflächen schafften. „Viele Betriebe fehlen noch“, sagt Löwenstein.

Innstolz bezieht seine Milch von einer Bio-Molkerei im österreichischen Lembach – mit dem Unternehmen betreibt der Hersteller seit zehn Jahren ein Joint-Venture, weil der Lieferweg kürzer sei als bei deutschen Lieferanten, sagt Weiß. Die steigende Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln macht die Umstellung auf nachhaltige Produkte attraktiv für Unternehmen – doch ist sie nicht ganz ohne Risiko. So steigen mit der ökologischen Produktion auch die Produktpreise. Billigheimern erteilt Weiß allerdings eine Absage: „Es kann nicht sein, dass das Thema Ernährung nur über den Preis geregelt wird.“ Kostenfaktoren sind einige da: Das Futter für die Kühe muss biologisch erzeugt werden, ebenso Zutaten wie Paprika und Schinken.

Weiter an der Bio-Bilanz schrauben

Auf die Philosophie der Nachhaltigkeit schwört auch Michael Hiestand, Chef der Meyermühle in Landshut. Seit 30 Jahren mahlt der Hersteller Bio-Getreide zu Mehl für Bäckereien, mittlerweile gehören mehr als 80 Prozent der Produktion zum Öko-Bereich. Die Herkunft sei zwar nicht am Mehl an sich zu schmecken, doch lieferten Bäcker, die Bio-Mehl nutzten, das handwerklich bessere Brot ab – weil sie nach traditionellen Methoden arbeiteten. An der Bio-Bilanz der Meyermühle will Hiestand unterdessen noch weiter schrauben – mit dem wichtigen Thema Regionalität: So lieferten bayerische Bauern 80 Prozent des Getreides für eine der Produktlinien aus der Mühle – Hiestands Ziel: Jedes einzelne Korn soll aus Bayern kommen.


DIE BIOBRANCHE

Bio weiter im Aufwind

Die deutschen Hersteller machen mit Bioware ein gutes Geschäft: Rund sieben Milliarden Euro gaben die Verbraucher im vergangenen Jahr für Öko-Produkte aus, ein Plus von rund sechs Prozent. Damit sei Deutschland nach den USA der weltgrößte Bio-Markt, sagt Löwenstein. Zugpferd der Branche sei der Frischebereich mit Produkten wie Gemüse und Fleisch. Export ist für die deutschen Unternehmen demnach wenig bedeutend, allenfalls industriell verarbeitete Ware gehe in nennenswerten Größen ins Ausland. Anders sieht es in den Nachbarländern aus: In Tschechien etwa habe sich eine Biobranche entwickelt, die größtenteils vom Verkauf ihrer Produkte nach Deutschland lebe, weil die dortigen Hersteller nicht genügend Waren erzeugten.