Camper wollen Luxus

Düsseldorf. Wer sich ein Stück Freiheit auf vier Rädern leistet, ist bereit, mehr zu investieren. In mehr Technik, mehr Luxus – das ist der Trend, den die Hersteller von Wohnwagen und -mobilen auf dem Caravansalon 2008 zur Schau stellen.

Neue Westfälische (Bielefeld), 30. August 2008

Der XXL-Liner von Dethleffs ist gigantisch.
So sieht Luxus aus: Der XXL-Liner von Dethleffs ist gigantisch.
Obwohl der Gesamtabsatz in Europa im ersten Halbjahr um 2,8 Prozent eingeknickt ist und die Branche für die nahe Zukunft nicht mit Wachstum rechnet, präsentiert sie den rollenden Luxus selbstbewusst in den Düsseldorfer Messehallen – von der stilechten Porzellantoilette im Badezimmer bis zur integrierten Garage. Der Caravansalon ist ab heute für das Publikum geöffnet und dauert bis zum 7. September. 585 Hersteller zeigen ihre neuen Entwicklungen – damit ist der Salon 2008 so groß wie noch nie in 15 Jahren.

Wohnmobile mit Lkw-Maßen inklusive Garage fürs Auto sind in so vielen Luxusvarianten zu finden, dass man sie fast zum Standard erklären will – denn andersherum verliert die Idee an Bedeutung: Deutsche Hersteller exportierten im ersten Halbjahr nur gut 19.700 Wohnwagen ins europäische Ausland, ein Einbruch von fast 16 Prozent. Nun sieht Hans-Karl Sternberg von der European Caravan Federation vor allem in Osteuropa einen Markt, den es zu erschließen gelte.

Qualität sei für Mobilurlauber noch immer das wichtigste Kaufargument, sagte der Präsident des Caravaning-Industrieverbandes CIVD, Klaus Förtsch. “Die Anschaffung eines Caravans oder Reisemobils erfolgt nicht, um Geld zu sparen.” Sternberg bestätigte, Kunden kauften eher ein gebrauchtes Modell von einem renommierten Hersteller als einen billigen Auslandsimport. Das Geschäft mit Gebrauchten boome, auch wenn die Kauflust hier zuletzt leicht nachgelassen habe.

Insgesamt geht es der Branche aber gut – so stieg der Umsatz deutscher Hersteller zwischen Januar und Juni 2008 um 3,5 Prozent, teilte der Verband mit. Obwohl er “Wolken am Konjunkturhimmel” sehe, sei er weiterhin optimistisch, sagte Förtsch, auch wenn kein Wachstum in Sicht sei.

“Schlank, sparsam, alltagstauglich” heißt das Motto für Wohnmobile. So zeigen viele Hersteller und Ausrüster Solarpaneele, mit denen Camper unterwegs die Sonne als kostenlose Steckdose nutzen können. Doch dies ist keine Gegenrichtung zum Haupttrend: “Den Fernseher wollen die Leute immer so groß wie möglich”, sagt Axel Speitmann vom Hersteller RMB, bei dem kein Wohnmobil unter sieben Metern zu haben ist. Auch der Wohnmobil- und Van-Hersteller Westfalia aus Rheda-Wiedenbrück will im hochwertigen Markt mithalten. So sei geplant, individuelle Grundrisse für Kunden zu bauen, das Innere mit Unterhaltungselektronik und “exklusiven Materialien” zu veredeln. Für das Unternehmen, das vor allem mit Vans wie dem “James Cook” oder dem “Nugget” erfolgreich ist, hat Geschäftsführer Sven Dübbers große Pläne: Er will den amerikanischen Markt zurückerobern. Obwohl Westfalia dort seit etwa 20 Jahren nicht mehr präsent sei, genieße die Marke dort noch immer großes Ansehen. Mit seinen 295 Mitarbeitern will Dübbers “in allen wichtigen europäischen Märkten” zum Marktführer aufsteigen. Weiterhin will er mit Autobauern zusammenarbeiten, deren Modelle Westfalia zu Reisemobilen ausbaut, wie die Neuvorstellungen auf der Messe: ein Wohnmobil und ein Van auf Ford-Basis.