Das ist ein Träumchen!

Unter dem Zwirbelbart steckt eine echt rheinische Schnauze – Fernsehkoch Horst Lichter lässt sich nicht den Mund verbieten, selbst wenn es Schelte für Frauenwitze hagelt. Im Interview mit DerWesten erzählt er, was er an einer Tiefkühlpizza zu schätzen weiß und warum er sich nicht für einen Entertainer hält.

DerWesten, 20. Oktober 2010

Horst Lichter.
Mag bodenständige Küche und Altherrenwitze: Horst Lichter.

Der Mund unter dem Zwirbelbart hat was zu erzählen: Horst Lichter ist bekannt aus seiner Kochsendung „Lafer! Lichter! Lecker!“, die er gemeinsam mit dem Sternekoch Johann Lafer moderiert. Auch auf der Bühne kocht Lichter und würzt sein Essen mit amüsanten „Anekdötchen“. Am 25. November 2010 ist er mit seinem Programm „Kann denn Butter Sünde sein?“ in der Grugahalle zu Gast. Im Interview mit DerWesten lässt er keinen Zweifel offen, dass es nicht nur ums Kochen geht.

Sie kommen mit Ihrer Show „Kann denn Butter Sünde sein?“ nach Essen. Wie viel Butter verbrauchen Sie auf der Bühne?

Nicht viel. Das Programm ist ja keine reine Kochshow – ich unterhalte die Menschen. Aber zwei Pfund werden wohl weggehen.

Ihr voriges Programm hieß „Sushi ist auch keine Lösung“. Plädieren Sie gegen Trendfood und für mehr deutsche Küche?

Das ist nicht wichtig. Die Menschen sollen auf sich selber hören. Ich bin ja kein Freund der Molekularküche, denn ich will kein Schnitzel essen, das aus Gelee besteht. Ich nehme die Leute einfach mit auf eine Reise – nicht nur auf eine kulinarische, ich habe auch ein paar Anekdötchen auf Lager.

Breitseite gegen Foodwatch

Lassen Sie mal hören!

Da hätten wir zum Beispiel Foodwatch…

…die Organisation, die sich für Lebensmittelqualität einsetzt…

…die testen also „Nimm 2“. Und dann stellen sie fest: Oh, das ist ja gar nicht so gesund! Ja, haben die denn geglaubt, das wäre eine Obstplantage als Bonbon? Und dann wundern sie sich noch, dass Coca-Cola kein Ersatz für Muttermilch ist? Ich habe nichts gegen Foodwatch, aber man muss nun mal einsehen, dass es einen Unterschied zwischen Nahrungs- und Genussmitteln gibt.

Sie haben auch Ihre eigene Pfeifenkollektion herausgebracht. Muss man die Deutschen zum Genuss erziehen?

Nein, aber man darf genießen – das ist ja nichts Böses. Fürs Essen gilt das genauso. Niemand wird 200 Jahre alt, weil er sich gesund ernährt. Die Leute haben auch im brasilianischen Urwald schon Tabak geraucht und Gegorenes getrunken. Alles, was man in Maßen genießt, ist gesund. Wenn Sie nur noch predigen, was gut und was schlecht ist, geht das den Leuten auf den Sack.

Sie sind jedenfalls für Essen mit Genuss. Beim Ruhrgebiet denkt man sofort an die Currywurst – haben die Menschen im Revier kulinarischen Nachholbedarf?

Nein. Die wussten immer, was ihnen schmeckt und das ist gut so. Es steckt ja auch eine Menge Gefühl dahinter. Wenn Sie daran denken, was Mama damals so gemacht hat – das wollen Sie am liebsten immer wieder haben. Mein Vater ist jetzt 20 Jahre tot, und ich vermisse ihn jeden Tag mehr, denke täglich an ihn. Da erinnert man sich an die kleinen Dinge im Leben.

Was hat Ihnen Ihr Vater mitgegeben, das Sie heute noch prägt?

Er war ein sehr fleißiger Mensch. Der hat rund um die Uhr malocht und nie an sich gedacht. Er wollte, dass es der Familie gut geht und hat sich dabei vernachlässigt. Das, was er für uns getan hat, würde ich ihm gerne zurückgeben.

Butter ist der Hauptdarsteller von Horst Lichters neuen Kochprogramm.
Butter ist der Hauptdarsteller von Horst Lichters neuen Kochprogramm - neben Lichter selbst natürlich.
“Auch mal über einen Altherrenwitz lachen”

Sie sind sehr erfolgreich mit Ihren Shows im Fernsehen und auf der Bühne. Ist Kochen ein neuer Volkssport?

Kochen im Fernsehen ist einfach Unterhaltung. Es kommt ja darauf an, dass sich die Menschen gut unterhalten und Spaß haben. Wenn ich nur dozieren würde, wäre das sinnlos. Wer das so machen will – bitte, ich habe kein Problem damit. Aber so jemand darf nicht diejenigen verurteilen, die es anders machen. Man darf auch mal über einen Altherrenwitz lachen.

Davon gab es bei „Lafer! Lichter! Lecker!“ genug. Die Sendung hat den Anti-Preis „Saure Gurke“ für frauenfeindliche Sprüche bekommen. Gibt es davon auch welche in der Show zu hören?

Nein. Na ja, vielleicht den ein oder anderen, aber keine schlimmen. Wenn ich wie im Fernsehen eine Frau als „nougatgefüllte Marzipanpraline“ bezeichne, ist das ja ein Lob. Die Frau, die das als machomäßig empfunden hat, denkt wohl nur in Daten und Fakten.

Sehen Sie sich eigentlich eher als Koch oder als Entertainer?

Entertainer ist ein zu großes Wort – Thomas Gottschalk ist einer. Ich freue mich, wenn man mich Kabarettist oder Comedian nennt, aber ich bin ein Geschichtenerzähler. Ich mag es, wenn Menschen Freude haben – vor dem Auftritt bin ich genauso wie währenddessen. Höchstens etwas nervöser.

Auch mal eine Tiefkühlpizza

Sie haben viele Schicksalsschläge erlitten. Ist Kochen das, woran Sie sich festhalten?

Da gibt es noch genug andere Sachen. Ich liebe alte Autos und Motorräder – und mein Schatzi. Ab und zu gibt es bei mir ja auch mal eine Tiefkühlpizza. Solange man Maß hält, ist das ein Träumchen.

Man kennt Sie als bodenständig. Wenn Sie den Kochshows den Rücken kehren, stehen Sie den Rest Ihres Lebens in Ihrem Restaurant „Oldiethek“?

Garantiert nicht, auch wenn das viele überrascht. Ich arbeite jetzt 18 Jahre als Koch und habe nie eine Brigade von Köchen dirigiert. Wenn, dann bereite ich selbst neun Stunden lang das Essen vor, stehe sechs Stunden lang am Kohleofen und putze hinterher noch. Das habe ich jahrelang gemacht und würde das Pensum nicht mehr tagtäglich schaffen.


BIOGRAPHIE

Zwirbelbart und Nickelbrille

Horst Lichter, 1962 bei Neuss geboren, ist Deutschlands frecher Fernsehkoch. Neben dem edlen Johann Lafer liefert er die derben Sprüche und plädiert dafür, beim Kochen seinem eigenen Geschmack zu folgen. Lichter – Markenzeichen Zwirbelbart und Nickelbrille – hat eine schicksalhafte Biografie: Sein Vater starb früh, Mitte 20 erlitt er zwei Gehirnschläge und einen Herzinfarkt. Er hatte zwei gescheiterte Ehen, bevor er 2009 seine langjährige Freundin Nada Sosinka heiratete. Lichter schuftete zeitweise in einer Braunkohlefabrik, bis er Mitte der 90er Jahre sein Restaurant „Oldiethek“ in Rommerskirchen eröffnete. Seit er im Fernsehen auftritt, steht er nur noch selten am Ofen – Termine in der „Oldiethek“ sind ein Jahr im Voraus ausgebucht.