Der Camping-Bulli ist zurück

Der Artikel über die Campingmesse Caravan-Salon ist nach dem Baukastenprinzip entstanden: Vier Kunden bekamen denselben Basistext, ergänzt um Absätze über Aussteller aus dem jeweiligen Verbreitungsgebiet. Hier zu sehen ist der Artikel, wie er in der Neuen Westfälischen erschienen ist. Weitere Kunden waren die Allgemeine Zeitung (Mainz), die Passauer Neue Presse und die Schwäbische Zeitung (Leutkirch).

Düsseldorf. Die Caravanbranche wächst – und Ostwestfalen wollen mitwachsen: Campingbushersteller Westfalia hat sich hohe Ziele gesteckt. Nach dem Eigentümerwechsel präsentiert das Unternehmen aus Rheda-Wiedenbrück ausgerechnet ein Stück Tradition für den Neuanfang auf der Messe Caravan Salon: eine Neuauflage des ersten Campingbusses.

Neue Westfälische (Bielefeld), 27. August 2011

Westfalia-Chef Mike Reuer
Mit Modellen wie diesem VW-Bus hat es angefangen: Westfalia-Geschäftsführer Mike Reuer will mit dem Hersteller wieder Fahrt aufnehmen.

Angefangen hat es mit einem VW-Bus, jetzt zeigt Westfalia-Geschäftsführer Mike Reuer das Modell “Jules Verne” als neuen Hoffnungsträger – der neue Campingbus in blau-weiß ähnelt den Exemplaren der ersten Tage. Damit feiert Westfalia das 60-jährige Bestehen des Campingbusses. “Man muss wissen, wo man herkommt, wenn man neue Wege gehen will.”

Ohne Umsatzzahlen zu nennen, aber optimistisch zeigten sich die Rheda-Wiedenbrücker auf der Campingmesse Caravan Salon in Düsseldorf, die zum 50. Mal stattfindet. Über 570 Aussteller zeigen bis zum 4. September Wohnwagen, Reisemobile und Zubehör. Zur Messe kommen jährlich rund 160.000 Besucher. Was sich in den vergangenen Jahren angedeutet hatte, bestätigt sich: Die Hersteller vereinen Luxus für unterwegs immer stärker mit dem Umweltbewusstsein ihrer Kunden.

Hotels auf Rädern

Ziehen in den Messehallen Wohnmobile mit Lkw-Maßen viele Blicke auf sich, so werden auch viele kleine Fahrzeuge zunehmend zu Hotels auf Rädern. Die Hersteller bauen mit leichteren Materialien und tüfteln Möbel aus, die Platz sparen: Betten lassen sich von der Decke herabfahren, Toiletten aus der Wand klappen. “Die kompakten Campingbusse wollen viele Leute auch im Alltag nutzen, ihre Kinder zum Sportverein fahren”, sagt Christof Sambe, Sprecher des Caravanverbands CIVD. Mit der Platzersparnis bleibt mehr Raum für die Annehmlichkeiten des Camperlebens: vom High-Definition-Fernseher über ausladende Betten bis zur saunaartigen Infrarotkabine.

Wem das zu viel Luxus ist, kann am anderen Ende der Preisskala einsteigen – etwa mit den Faltcaravans. Der Hersteller Holtkamper aus dem holländischen Emmen bietet Modelle an, die eher einem Zelt denn einem Caravan ähneln und in einer Minute aufgebaut sind. Dafür gibt es die günstigsten Modelle ab etwa 5.000 Euro – und sie sind so leicht, dass sie auch von einem Mini gezogen werden können. Geschäftsführer Jelle Holtkamp empfiehlt sie vor allem naturverbundenen Individualurlaubern.

Caravan-Salon
Groß, größer – mit Garage: Dieses Modell rollt mit integriertem Stellplatz für einen Kleinwagen.

Doch auch große Hersteller schließen sich dem Umwelttrend an: Fahrzeugbauer Hymer aus Bad Waldsee zeigt erstmals ein serienreifes Hybridmodell. Camper, die ihren eigenen Strom gewinnen möchten, nutzen Solarzellen, die in die Markise integriert sind.

Der Markt wächst

Zu den Innovationen dürfte die Hersteller die gute Lage ihrer Branche motivieren: Der Markt für Campingfahrzeuge wächst, nachdem ihm die Finanzkrise von 2009 einen heftigen Dämpfer verpasst hatte. “Immer wenn die Zeit schwierig ist, merken wir das auch bei Caravans und Reisemobilen”, sagt Sambel, “aber jetzt ist das Vertrauen der Käufer wieder da.”

Auf dieses Vertrauen hofft auch Westfalia-Chef Reuer. Mit den kompakten Campingbussen will er jede Generation ansprechen. 3.500 Fahrzeuge soll das Unternehmen in diesem Jahr produzieren – zur Strategie gehört, dass ausschließlich auf Bestellung gebaut wird: “Wer auf Halde produziert, kriegt neue Modelle schwerer in den Markt. Diesen Fehler wollen wir nicht machen”, sagt der Chef.
Eigentümer will investieren
Nach der Insolvenz im vergangenen Jahr und der Übernahme durch den französischen Reisemobilhersteller Rapido soll es in Rheda-Wiedenbrück wieder aufwärts gehen. Der neue Eigentümer will laut Reuer “mehrere Millionen” in den Standort investieren, seit 2010 sei die Mitarbeiterzahl von etwa 120 auf 200 geklettert. “Nach holprigen Jahren wird uns 2011 vorsichtig schwarze Zahlen bescheren.”


GESCHICHTE

50 Jahre Caravan-Salon

3.333 Mark – diese Summe ernannte die Fachzeitschrift „Caravaning“ Mitte der Sechzigerjahre zum Preislimit für so genannte Jedermannwohnwagen – heute gibt es Einsteigermodelle ab 5.000 Euro. Wie sich mit dem Wirtschaftswunder mehr Deutsche einen Wohnwagen leisten konnten, so wurde auch der Caravan Salon populärer. 1962 in Essen mit 61 Ausstellern und 34.500 Besuchern gestartet, entwickelte er sich rasch zur Leitmesse der Branche. Im folgenden Jahrzehnt begann der Siegeszug der Reisemobile, 1978 standen erstmals mehr von ihnen in den Messehallen als Wohnwagen. Das gilt bis heute – und zieht immer mehr Besucher an: 1994 wurde die Messe Essen zu klein für den Caravan Salon – daraufhin zog die Veranstaltung weiter nach Düsseldorf. Das Jubiläum der 50. Auflage feiert der Salon mit einer Ausstellung von Caravan-Oldtimern und nachgebildeten Wohnzimmern vergangener Jahrzehnte.