Die Branche schrumpft – Pöschl wächst

Der Artikel über die Fachmesse Inter-Tabac ist nach dem Baukastenprinzip entstanden: Drei Kunden bekamen denselben Basistext, ergänzt um Absätze über Aussteller aus dem jeweiligen Verbreitungsgebiet. Hier zu sehen ist der Artikel, wie er im Straubinger Tagblatt/Landshuter Zeitung erschienen ist. Weitere Kunden waren die Neue Westfälische (Bielefeld) und die Harburger Anzeigen und Nachrichten.

Dortmund/Geisenhausen. Gesetzen und Steuererhöhungen will der Geisenhausener Tabakhersteller Pöschl die Stirn bieten: Trotz sinkender Umsätze der Tabakbranche erwartet das Unternehmen weiter Wachstum. Dabei soll auch das Produkt helfen, mit dem die Firma Anfang des vorigen Jahrhunderts gegründet wurde: der Schnupftabak.

Straubinger Tagblatt/Landshuter Zeitung, 24. September 2011

Pöschl-Chef Patrick Engels
Umsatzbringer trotz Rauchverbots: Mit Schnupftabak macht Pöschl-Geschäftsführer Patrick Engels zehn Prozent seines Umsatzes.

„Wir sind stolz auf unseren Schnupftabak, dort liegen unsere Wurzeln“, sagt Pöschl-Geschäftsführer Patrick Engels. Der Umsatz des feingemahlenen Tabaks hat dank des Rauchverbots in vielen deutschen Bundesländern zugelegt. Laut Engels macht er zehn Prozent des Unternehmensumsatzes aus. Den Löwentanteil macht allerdings Rauchware aus, also Pfeifentabak, Zigaretten und Feinschnitt zum Drehen.

Das Rauchsegment ist jedoch auch das Sorgenkind der Tabakbranche: So überlegt die Europäische Kommission derzeit, „Blanko-Packungen“ einzuführen, auf denen kein auffälliger Markenschriftzug oder ein Muster zu sehen sein darf. „Unsere Existenz ist davon nicht bedroht, aber ich muss mich fragen: Haben wir in 20 Jahren noch die 345 Mitarbeiter in Deutschland, die es jetzt sind?“, sagt Engels. Wenn Firmen ihre Zigarettenpackungen nicht mehr gestalten dürften, brauche es schließlich auch keine Marketingabteilung. Noch sei davon jedoch nichts zu spüren: So hat Pöschl nach Engels’ Angaben in den vergangenen drei Jahren über 50 Mitarbeiter eingestellt. Weltweit beschäftigt der Hersteller damit 700 Mitarbeiter.

Immer mehr Raucher greifen zu Schmuggelware

Entsprechend optimistisch zeigte sich der Hersteller auf der Inter-Tabac, der Fachmesse für den Tabakhandel in Dortmund. Dort präsentierten 303 Aussteller, vor allem Hersteller und Vertriebsgesellschaften, Waren von der Zigarette bis zum Feuerzeug. Im Vorjahr kamen über 7.000 Besucher.

Auch andere Branchenvertreter sehen in neuen Gesetzen und Steuern eine Bedrohung für den Tabakmarkt. Wegen der steigenden Tabaksteuer wichen viele Raucher auf Schmuggelware aus, sagte Marianne Tritz, die Geschäftsführerin des Deutschen Zigarettenverbands. „Das Problem bekommen wir nicht so schnell gelöst“, sagte sie. In Bayern ist laut Verbandsschätzung jede vierte Zigarette nicht versteuert. Im benachbarten Baden-Württemberg sind es demnach nur gut sieben Prozent.

Ein krummes Ding drehen
Ein krummes Ding drehen: Wenn es um außergewöhnliche Zigarren geht, ist das auf der Tabakfachmesse erlaubt.
Problematisch kann das etwa für den Feinschnitttabak sein. Als fertige Zigaretten immer teurer wurden, wichen viele Raucher auf den günstigeren losen Tabak aus. „Wenn der auch noch teuerer wird, verliert er seine Pufferfunktion“, sagt Engels – das heißt: Klamme Raucher würden endgültig auf geschmuggelte Ware ausweichen. Insgesamt wurden laut dem Verband der Deutschen Rauchtabakindustrie im vergangenen Jahr 11,5 Milliarden unversteuerte Zigaretten geraucht. Auf der Liste möglicher Regularien stehen außerdem der Verkauf von Tabakwaren „unter der Ladentheke“ und das Verbot von Zigarettenautomaten.

Elektrozigaretten liegen im Trend

In Geisenhausen im Landkreis Landshut stehen die Zeichen derzeit dennoch auf Wachstum. So lag der Umsatz von Pöschl laut Unternehmensangaben im vergangenen Jahr bei 340 Millionen Euro, ein Plus von gut 13 Prozent im Vergleich zu 2009. Bis Ende des Jahres soll in Geisenhausen auch ein Erweiterungsbau fertig sein, in dem das Unternehmen neue Produktionskapazitäten schaffen will.

Während klassische Tabakhersteller neue Eingriffen des Staats fürchten, schlagen jüngere Unternehmen in die Nachbarnischen: Einer der Trends auf der Messe sind Elektrozigaretten. Dabei verdampft eine Heizspirale eine Portion Aroma mit Wasser. Das kann nach Tabak schmecken, jedoch auch nach Banane oder Cola. Anders als bei einer Zigarette wird nichts verbrannt. Sven Heeder, Geschäftsführer des Unternehmens Red Kiwi im norddeutschen Seevetal, setzt auf das neuartige Produkt. „In einem Monat dieses Jahres machen wir doppelt so viel Umsatz wie in ganz 2010“, sagt er. Raucher überzeuge vor allem, dass sie die Elektrozigarette auch im Flugzeug oder im Zug benutzen dürfen. Die traditionelle Tabakbranche sieht den Trend jedoch mit reichlich Argwohn: „Das ist ein Nischenprodukt und wird es bleiben“, sagt Adam-Claus Eckert, Vertreter des Tabakhandels. „Kein Gastronom wird erlauben, dass jemand so was im Restaurant benutzt.“


DER DEUTSCHE TABAKMARKT

Zigaretten auf dem Rückzug

Das deutsche Tabakgeschäft schwächelt: Im zweiten Quartal 2011 sank der Umsatz im Handel um fast sieben Prozent zum Vorjahreszeitraum auf gut 5,4 Milliarden Euro, wie das Statistische Bundesamt meldet. Dafür ist vor allem der Rückgang auf dem Zigarettenmarkt verantwortlich – er brach um 8,5 Prozent ein. Zigarren und Zigarillos sowie Dreh- und Pfeifentabak legten hingegen zu. Ebenfalls im Aufwind: die Einnahmen aus der Tabaksteuer. Zwischen April und Juni brachten sie dem Fiskus gut 3,4 Milliarden Euro, was einem Plus von 1,3 Prozent entspricht. Grund dafür dürfte die Erhöhung der Tabaksteuer im Mai sein – der erste von fünf Anhebungsschritten bis zum Jahr 2015. Auf eine Zigarette zahlt der Raucher durchschnittlich 14 Cent Steuern – auf eine Zigarre hingegen weniger als zwei Cent.