Experimente aus Oberfranken

Der Artikel über die Möbelmesse IMM ist nach dem Baukastenprinzip entstanden: Alle Kunden bekamen einen Text, ergänzt um Absätze über Aussteller aus dem jeweiligen Verbreitungsgebiet. Hier zu sehen ist der Artikel, wie er in der Neuen Presse Coburg erschienen ist. Weitere Kunden waren die Aargauer Zeitung (Aarau/Schweiz), die Thüringer Allgemeine (Erfurt), der Schwarzwälder Bote (Oberndorf am Neckar) im Mantelteil und der Lokalausgabe Nagold, das Delmenhorster Kreisblatt, die Saarbrücker Zeitung und Lippe aktuell (Detmold).

Coburg/Köln. Die Möbelbranche muss sich auf eine neue Generation von Kunden einstellen. Gefragt sind multifunktionale Produkte und frische Farben. In Köln präsentieren Betriebe aus der Region ihre Kreationen.

Neue Presse Coburg, 15. Januar 2013

Willi-Schillig-Chef Erik Stammberger
Willi-Schillig-Chef Erik Stammberger setzt auf den Exporthandel – und frische Farben.

Das Szenario soll sich häufiger in deutschen Möbelhäusern ereignen: “Wir haben Kunden, die sich gerade getrennt haben und ganz dringend ein Schlafsofa brauchen”, erzählt die Geschäftsleiterin des Polstermöbelherstellers Signet aus Hochstadt, Carola Klimke. Freilich greifen längst nicht nur frischgebackene Singles zu Signet-Möbeln, doch kommt dem Hersteller seine Spezialisierung auf Schlafsofas zugute. Multifunktionsmöbel sind gefragt, weil die Zahl kleiner Singlehaushalte wächst.

Mit neuen Modellen will Signet auf der am Montag eröffneten Möbelmesse IMM in Köln punkten: Rund 1.250 Aussteller aus 50 Ländern zeigen dort ihre Neuheiten, erwartet werden rund 140.000 Fach- und Privatbesucher. Wichtiger Teil der Branchenschau ist auch die Küchenmesse Living Kitchen. Auch andere oberfränkische Hersteller wie Machalke aus Hochstadt oder FM Munzer aus Weidhausen präsentieren sich in Köln – die Aussichten der Oberfranken sind insgesamt besser als der deutsche Schnitt: Herstellervertreter erwarten ein stagnierendes Geschäft für das laufende Jahr (siehe Kasten).

Die Mitte verliert

Innerhalb der Branche sind die Erwartungen jedoch sehr unterschiedlich: “Es kommt zu einer Polarisierung”, sagt die Sprecherin des Verbands der Deutschen Möbelindustrie (VDM), Ursula Geismann. Das heißt: Unternehmen des mittleren Preissegments verlieren, während Billighersteller und Premiumfirmen weiter zulegen. Herstellern von gehobenen Möbeln machen dabei nicht einmal die Eurokrise und der schwächelnde Export in die europäischen Nachbarländer etwas aus – ihre Produkte gehen zunehmend in aufsteigende Schwellenländer wie Russland, China und in den arabischen Raum.

Signet-Geschäftsleiterin Carola Klimke
Setzt auf den heimischen Markt: Signet ist laut Geschäftsleiterin Carola Klimke auf Schlafsofas spezialisiert.n Betriebe aus der Region ihre Kreationen.
Aus dem Ausland kommt jedoch auch starke Konkurrenz für das deutsche Niedrigpreissegment. So wird nach VDM-Angaben mittlerweile jedes zweite Möbelstück importiert, während es 2005 lediglich ein Drittel gewesen sei.

Frische Farben

Export ist für das relativ kleine Signet mit seinen 80 Mitarbeitern kaum ein Thema – 95 Prozent der Ware werden in Deutschland verkauft. Anders sieht es beim Ebersdorfer Polstermöbelmacher Willi Schillig aus – für Geschäftsführer Erik Stammberger sind die USA nach Deutschland der zweitwichtigste Markt. In die besonders von der Krise getroffenen Länder in Europa geht seine Ware hingegen kaum, der Außenhandel bleibt für Stammberger ein gutes Geschäft. Beim Gesamtumsatz hat das Unternehmen im vergangenen Jahr rund acht Prozent zugelegt und peilt für das laufende Jahr ein ähnliches Ziel an. Gerade auf dem Heimatmarkt ist allerdings noch einiges zu tun: “Der typisch steife deutsche Komfort wird weicher”, sagt der Geschäftsführer. Das heißt: Die Ebersdorfer gehen mit frischen Farben und ungewöhnlichen Formen auf die Kunden zu.

Die neue Käufergeneration, die sich von Riesensofa und Eichenschrankwand verabschiedet, räumt auch im Rest der Wohnung um: Dort verschmelzen etwa Küchen- und Wohnbereich, um Platz zu sparen. Wer große Ziele hat, muss also kleine Möbel liefern.


DIE BRANCHE

Möbelindustrie rechnet 2013 nicht mit Wachstum

Nach drei Jahren Wachstum sind die Aussichten der deutschen Möbelmacher für 2013 gedämpft: Der VDM erwartet für das gerade begonnene Jahr nach eigener Aussage eine „schwarze Null“ – verantwortlich dafür seien pessimistische Wirtschaftsprognosen und die Eurokrise. So soll jeder Deutsche wie im vergangenen Jahr pro Kopf rund 380 Euro für Möbel ausgeben, doch sorgen sich die Hersteller um das Exportgeschäft: Bürger aus krisengeschüttelten Ländern wie Spanien und Italien dürften sich beim Möbelkauf zurückhalten. Im vergangenen Jahr hatten die Ausfuhren ins europäische Ausland bereits um rund drei Prozent nachgegeben, im wichtigsten Exportland Frankreich sogar um gut vier Prozent. Insgesamt legte der Branchenumsatz 2012 um zwei Prozent auf rund 17,2 Milliarden Euro zu – auch wegen stärkerer Verkaufszahlen in Schwellenländern. Zu den Zugpferden der Branche gehört die Küchenindustrie – ihr Umsatz stieg von Januar bis Oktober 2012 um mehr als fünf Prozent.