Ökologisch korrekt auf die letzte Reise

Särge ohne Lackierung, Urnen aus Maisstärke: Auch nach dem Tod kann man Rücksicht auf die Umwelt nehmen. Die Bestattungsindustrie hat viele Produkte für ökologische Beerdigungen entwickelt.

Die Welt, 15. August 2011; Welt Kompakt, 16. August

Särge auf der Befa.
Särge - hier auf der Bestattungsmesse Befa: Unlackiert sind sie besser für die Umwelt.

Ob normal oder bio, das hat Christa Dohmen-Lünemann in der Regel schnell raus. Wer eine Bio-Beerdigung möchte, den treibt die Frage um, wie er es als Toter vermeiden kann, der Natur zu schaden. Solche Kunden hat die 57-jährige Bestatterin aus Aachen häufig. Es sind Menschen, die schon immer umweltbewusst gelebt haben und auch so bestattet werden möchten. Oder solche, denen es wichtig ist, nach dem Tod schnell wieder eins mit der Natur zu werden.

So genannte „Green Funerals“ – in England und Amerika bereits weit verbreitet – werden auch in Deutschland immer populärer. Die Bestattungsindustrie hat nachgezogen und spezifische Produkte für die ökologische Bestattung entwickelt. So gibt es bereits eine große Auswahl an Särgen, die nicht lackiert sind und Griffe aus Holz oder Leder statt aus Metall haben. Diese Modelle zersetzen sich in der Erde schneller und hinterlassen keine schädlichen Rückstände.

Kein Kunststoff im Sarg

Solche Särge produziert etwa die Firma Janssen im holländischen Sevenum nahe der Deutschen Grenze. Nach Firmenangaben ist bereits jedes vierte verkaufte Modell ein „Öko-Sarg“, Tendenz steigend. Das Holz stammt aus Wäldern, die wieder aufgeforstet werden, die Sargpolster sind mit Holzwolle gefüllt. Bei der Innenausstattung verwendet Janssen keine Kunststoffe. Je nach Modell und Preispolitik des einzelnen Bestatters kosten die Särge zwischen 600 und 1.500 Euro. Sogar einen Sarg aus Peddigrohr hat die Firma im Angebot. Wer sich für dafür interessiert, sollte sich aber über die örtliche Friedhofssatzung schlau machen. Oft sind nur Särge aus so genanntem Vollholz zulässig, aus dem keine Körperflüssigkeiten austreten können.

Dass Leichenflüssigkeit ins Grundwasser eintritt, ist aber kaum zu befürchten, unabhängig von der Art des Sargs. Dem Bodenkundler Werner Weinzierl vom geologischen Landesamt Baden-Württemberg sind nur wenige Fälle bekannt. Weinzierl kennt jedoch das Problem von Leichen, die zu langsam verwesen. Lackierte Särge sollte man demnach vermeiden, weil sie sich zu langsam zersetzen und dadurch die Verwesung aufhalten. Schwierig sei es auch mit Blumen auf dem Grab, die man häufig gießen müsse. Durch die ständige Wasserzufuhr verlangsame sich die Verwesung. Auch so genannten Wachsleichen könnten entstehen, die über Jahrzehnte erhalten bleiben, weil der für die Verwesung nötige Sauerstoff durch das Wasser abgeschnitten wird.

Wachsleichen durch Acrykleider

Sogar die Kleidung spiele eine Rolle: „Aus den Siebzigerjahren gibt es Leichen, die langsamer verwesen als von den bodenkundlichen Gegebenheiten zu erwarten wäre, weil sie Kleidung aus Acryl angezogen bekamen“, sagt Weinzierl. Mit Naturstoffen wie Baumwolle oder Seide ist man daher besser beraten. Dabei muss man nicht auf ein Leichenhemd vom Bestatter zurückgreifen: Die Angehörigen können die Kleidung für den Toten selbst aussuchen.

Keine Sorgen über die Verwesungunsdauer muss man sich bei einer Feuerbestattung machen. Ökologische Trends sind hier Särge aus Pappe – etwa das Modell „Flamea“ der Regensburger Firma Arcum. Flamea besteht komplett aus Zellulose und soll bei der Verbrennung nur ein Viertel so viel Kohlendioxid produzieren wie ein Holzsarg. Das kostengünstigste Modell kostet beim Bestatter ab 200 Euro.

Schon zu Lebzeiten über die Bio-Bestattung reden

Generell sind Feuerbestattungen übrigens keine großen Öko-Sünden. Durch moderne Filtertechnik enthält der Rauch aus den Krematorien nur noch geringe Mengen an Schadstoffen. Für die Beisetzung der Asche eines Verstorbenen bieten die Hersteller eine schier unendliche Auswahl an Urnen aus umweltverträglichen Stoffen – ob Kork, Stein oder gepresste Flachsfasern. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Denn die Asche wird im Krematorium zunächst in eine Kapsel aus Weißblech verpackt – und die vergeht langsam. Für Bestattungen im Wald, bekannt als „Friedwälder“, gibt es mittlerweile aber auch Kapseln aus Maisstärke, die sich rasch auflösen. Die Maisstärke-Urnen lassen sich durchaus auch bei einer Friedhofsbestattung verwenden – ausschlaggebend ist aber auch hier die jeweilige Friedhofssatzung.

Die Öko-Bestattung nach Wunsch kann man schon zu Lebzeiten mit einem seriösen und in punkto grüner Beerdigung erfahrenen Bestatter besprechen. Mit dem lassen sich dann auch die Details einer Öko-Beerdigung klären. Dass etwa der Florist den letzten Gruß auf den Trauerkränzen statt auf Stoff- oder Plastikbänder auf ein großes Baumblatt schreibt. Und dass eine wohnortnahe Bestattung klimafreundlicher ist als eine lange Autofahrt zur letzten Ruhestätte.


INFO

Woran Hinterbliebene einen seriösen Bestatter erkennen

Der Bundesverband Deutscher Bestatter erleichtert die erste Auswahl ein wenig. Denn er vergibt das Branchensiegel „Bestatter – vom Handwerk geprüft“. Wer dieses Abzeichen trägt, kann eine geregelte Ausbildung der Mitarbeiter vorweisen und eine transparente Preisgestaltung. Damit bietet das Siegel zumindest eine grobe Orientierung.

Wenn die Hinterbliebenen dann eine Vorauswahl getroffen haben, allerdings noch von der Trauer überwältigt sind, sollten Sie den Weg zum Bestatter nicht alleine gehen. Es empfiehlt sich generell, einen Bekannten oder Verwandten mitzunehmen, der dem Toten nicht so nahe stand. Der- oder diejenige kann sich dann einen etwas neutraleren Eindruck vom Bestatter machen. Vor Ort sollten die Kunden des Bestatters dann durchaus auf Kleinigkeiten achten: Kommen der Bestatter oder seine Gehilfen in schmutziger Kleidung oder ist der Leichenwagen verdreckt, so lässt das nicht gerade auf einen pietätvollen Umgang mit dem Toten schließen. Ein „Herzliches Beileid“ dürfen Sie von einem einfühlsamen Bestatter selbstverständlich auch erwarten.

Ein vertrauenswürdiger Bestatter wird Sie zudem bei der Auswahl des Sargs oder der Urne nicht zu einem bestimmten Modell drängen, sondern sich nach den Preisvorstellungen des Kunden richten. Die Preise sollten direkt an den Särgen stehen oder in einer Liste ausliegen. Wenn Hinterbliebene dann schließlich die Rechnung erhalten, sollten sie diese genau prüfen. Pauschalen sollten man nur akzeptieren, wenn das mit dem Bestatter auch so vereinbart wurde. Ansonsten sollten alle Posten aufgeschlüsselt und in Eigen- und Fremdleistungen unterschieden sein.