Starker Tobak aus OWL

Dortmund. Mit Tankstellen-Zigarillos will Jens Schrader nichts zu tun haben: Der Marketing-Manager des Zigarrenherstellers Arnold André setzt auf Genussraucher, echte Tabakfans. Während manche Zigarettenraucher auf steuerbegünstigte Zigarillos ausweichen, die es an der Tanke gibt, sollen Kenner zur Ware aus Bünde greifen.

Neue Westfälische (Bielefeld), 18. September 2010

Innovationen für Pfeifenraucher.
Rot-Grün: Tamara Yakusheva präsentiert auf der Messe Intertabac Innovationen für Pfeifenraucher.

Mit dieser Strategie präsentiert sich Arnold André auf der Fachmesse „Intertabac“ in Dortmund. Dort zeigt die Rekordzahl von 287 Unternehmen ihre Produktpalette, 6.500 Besucher werden erwartet. Vertreten sind neben Tabakproduzenten auch Hersteller von Pfeifen, Feuerzeugen oder Spirituosen.

Während das – legale – Zigarettengeschäft schwächelt, macht Arnold André gute Geschäfte mit Zigarillos, der kleinen Ausgabe von dicken Zigarren. 2009 hat das Unternehmen seinen Umsatz um 16 Prozent gesteigert. Der Lübbecker Hersteller Dannemann, auch auf der Messe vertreten, gibt keine Auskunft zu seinen Umsatzzahlen.

„Wir punkten vor allem mit kleinen Formaten und Marken für eine junge Zielgruppe“, sagt Schrader. Die erreicht er etwa mit leichten Aroma-Zigarillos, die nicht an Opas Stumpen erinnern.

Damit stemmen sich die Bünder gegen den Billigtrend im Markt: Die Konsumenten wollen weniger für Tabakprodukte zahlen, weichen aus auf günstigen Feinschnitt zum Selberdrehen oder holen sich gefälschte Ware aus der dunklen Ecke. „Das Problem wird uns noch lange beschäftigen“, sagt Marianne Tritz vom Deutschen Zigarettenverband. Patrick Engels, Sprecher der Pfeifentabakindustrie, lobt den Feinschnitt immerhin als „Gegenpol“ zur Falschware. Als Zukunftstrend sieht er Tabakprodukte ohne Zusatzstoffe. Die meisten Zigaretten enthalten solche Chemikalien.

Erfolg mit Mini-Zigarren.
Erfolg mit Mini-Zigarren: Jens Schrader vom Bünder Hersteller Arnold André punktet mit Zigarillos bei Rauchern, die nicht auf den Preis schielen.

Ganz natürlich mag es auch Philipp Schuster. Sein Familienunternehmen produziert mit 30 Mitarbeitern ebenfalls in Bünde. Schon seit Jahrzehnten stellt Schuster Zigarren und Zigarillos her, die nicht einmal Aromastoffe enthalten. Auch hier hält man nichts vom Preiskampf: „Wir sind Mittelständler mit Leib und Seele. Wir könnten gar nicht billig produzieren“, sagt Schuster. Einzelne Zigarren können hier bis zu 27 Euro kosten. Wie das Geschäft läuft, hängt auch vom Wetter ab: Wegen des Rauchverbots rauchen die Menschen häufig im Freien – wenn es regnet, bleibt die Zigarre aus. Andere Unternehmen profitieren vom Rauchverbot: Etwa „eSmoker“ aus Schwaben. Projektmanager Mario Tresch vertreibt Geräte, die Zigaretten ähnlich sehen, aber mit elektrischem Strom eine nikotinhaltige Flüssigkeit verdampfen. Weil nichts verbrannt wird, kann man dieses Imitat sogar im Flugzeug benutzen. Das kommt an: Tresch hat seinen Umsatz 2009 fast verdoppelt.

Die Hersteller klassischer Tabakprodukte sorgen sich wegen geplanter EU-Regulierungen. So überlegt die Kommission, allen Herstellern komplett weiße Zigarettenverpackungen vorzuschreiben. Der Präsident des Tabakeinzelhandels, Rainer von Bötticher, sieht das als Bevormundung: „Dem aufgeklärten Verbraucher wird die Möglichkeit genommen, mit allen Sinnen zu entscheiden.“