Vernetzte Fernseher und Tablet-PCs sind im Aufwind

Die Elektronikbranche hat ein Lieblingswort: smart, englisch für “schlau”. Immer intelligenter, immer vernetzter sollen ihre Geräte werden – egal ob Computer, Handy, Fernseher, Kühlschrank oder Waschmaschine. Das Kräftemessen um die smartesten Erfindungen tragen die Elektronikriesen alljährlich auf der IFA in Berlin aus.

Agence France-Presse, 30. August 2011

3D ist einer der wichtigsten IFA-Trends.
3D ist einer der wichtigsten IFA-Trends - Besucher ließen sich das relativ neue Erlebnis nicht entgehen. - Foto: IFA
Vor allem Fernseher wachsen mit dem Internet zusammen: Damit können die Kunden nicht nur vom Sofa aus surfen, sie können auch Filme aus Online-Videotheken abrufen und soziale Netzwerke wie Facebook nutzen. Der Trend heißt – natürlich – “Smart TV”. Ein System des Herstellers Samsung etwa lässt die Nutzer mit Freunden über den “Tatort” oder das Fußballspiel diskutieren: Links zeigt der Fernseher das Programm, rechts wird eine Chatfunktion eingeblendet. Zum Tippen nutzen die Zuschauer ein Smartphone. Auch andersherum kann das Fernsehsignal vom TV-Gerät aufs Smartphone übertragen werden.

Die vernetzten TV-Geräte sollen in diesem Jahr einen Umsatz von drei Milliarden Euro bringen, 60 Prozent mehr als 2010, erklärt der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) mit. Bei herkömmlichen Fernsehern sollen es nur 2,7 Milliarden Euro sein. Besonders gut sind laut Verband die Aussichten für 3D-Fernseher: Von 200.000 Geräten im vergangenen Jahr soll der Absatz auf 1,3 Millionen springen.

Für einen 3D-Fernseher zahlen Kunden laut Verband etwa 200 Euro mehr als für normale Modelle. Doch die Preise sinken: Auf dem Fernsehermarkt, dem größten Segment der Elektronikbranche, liefern sich die Händler einen Preiskampf. Wer nicht nach den Messeneuheiten sucht, sondern einen ganz normalen Fernseher will, kann in diesem Jahr echte Schnäppchen machen.

Patentkrieg zwischen Apple und Samsung

Wie schon im vergangenen Jahr sind auch Tablet-PCs Mittelpunkt der Messe: Legte ihr Absatz schon in den vergangenen Jahren stark zu, sollen sie sich 2011 gleich 1,3 Millionen Mal verkaufen – das wäre mehr als das Dreifache des Vorjahreswerts.

Spannung bringt hier vor allem der harte Konkurrenzkampf der Hersteller – die sich, genauso wie bei Smartphones, mit gegenseiten Klagen bekriegen. In Deutschland etwa geht der US-Hightech-Konzern Apple, der den Markt für Tabletcomputer mit seinem iPad erst in Schwung gebracht hat, gegen seinen südkoreanischen Konkurrenten Samsung vor. Der US-Konzern wirft Samsung vor, das iPad mit dem Galaxy Tab in seinem Aussehen kopiert zu haben und damit den Ruf des “sehr bekannten Produkts mit Kultstatus” ausnutzen zu wollen.

Das Landgericht Düsseldorf verbot deshalb vorläufig den Verkauf des Galaxy Tab, die endgültige Entscheidung steht aber noch aus. In den Niederlanden wiederum untersagte ein Gericht aufgrund eines Patentstreits den Verkauf von drei Samsung-Smartphones in mehreren Ländern Europas – nicht aber den Vertrieb von Samsung-Tablet-PCs. Auf der IFA werden trotzdem ausreichend Tablet-PCs zu sehen sein. Und der japanische Elektronikriese Sony springt in Berlin auch auf den Zug des Tablet-Booms auf: Er präsentiert zur IFA zwei Modelle mit dem Google-Betriebssystem Android.


DER ELEKTRONIKMARKT

Preiskampf drückt Umsätze

Vor allem der Preiskampf des Handels bei Fernsehern wird dieses Jahr das Geschäft der Unterhaltungselektronik-Branche voraussichtlich trüben. Der Umsatz der Unternehmen werde 2011 vermutlich um 5,3 Prozent auf 12,3 Milliarden Euro zurückgehen, erklärte der Branchenverband Bitkom. Dies habe eine Umfrage unter Verbrauchern im Vorfeld der Unterhaltungselektronik-Messe IFA ergeben.

Fernseher, die laut Bitkom fast die Hälfte des gesamten Branchenumsatzes ausmachen, kosten dieses Jahr demnach knapp zehn Prozent weniger als noch 2010. Bitkom rechnet allerdings auch mit einem steigendem Absatz: Die Branche werde in Deutschland dieses Jahr voraussichtlich 9,4 Millionen Geräte verkaufen, ein Plus von 3,7 Prozent.