Zu Tisch bei der Grünen Woche

Der Artikel über die Landwirtschafts- und Lebensmittelmesse Grüne Woche ist nach dem Baukastenprinzip entstanden: Alle Kunden bekamen einen Text, ergänzt um Absätze über Aussteller aus dem jeweiligen Verbreitungsgebiet. Hier zu sehen ist der Artikel, wie er im Südkurier (Konstanz) erschienen ist. Weitere Kunden waren die Neue Presse Coburg und die Frankenpost (Hof).

Konstanz/Köln. Kleine Brauereien müssen mit Handwerksqualität punkten: Hersteller Leibinger aus Ravensburg will auf dem Berliner Markt wachsen. Salem-Frucht setzt derweil auf neue Apfelsorte.

Südkurier, 19. Januar 2013

Hanno Schaar von der Ravensburger Brauerei Leibinger
Hanno Schaar von der Ravensburger Brauerei Leibinger zapft auf der Grünen Woche für die Messegäste.

Das erste Leibinger kam per Luftpost in die Hauptstadt: Auf der mittlerweile eingestellten Flugroute zwischen Friedrichshafen und der Hauptstadt wurde das Ravensburger Bier serviert – und fand dadurch seine ersten Fans in der Metropole an der Spree. Verkauft Leibinger auch 99 Prozent seiner Produktion in der Heimat am Bodensee – in Berlin gibt es das Pils in mehreren Gasthäusern als Geheimtipp.

Um die Marke in der Hauptstadt noch bekannter zu machen, stellt die Brauerei ihre Produkte auf der Grünen Woche vor – die Landwirtschafts- und Lebensmittelmesse startete am Freitag in Berlin, erwartet werden rund 400.000 Besucher. In den Hallen präsentieren sich mehr als 1600 Aussteller.

Die Lebensmittelhersteller erwarten in diesem Jahr wie bereits 2012 ein leichtes Wachstum. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerte zum Start der Branchenschau Zuversicht. Die Grüne Woche sei eine “Drehscheibe für internationalen Austausch über Qualität und Nachhaltigkeit”, sagte sie.

Brauereien kämpfen weiter mit Verlusten

Verzeichnete die Lebensmittelbranche insgesamt im vergangenen Jahr ein leichtes Plus, haben die Brauereien weiter mit Verlusten zu kämpfen: Wie in den Jahren zuvor sei der Umsatz 2012 schätzungsweise um ein Prozent zurückgegangen, sagt der Sprecher des Deutschen Brauer-Bunds, Marc-Oliver Huhnholz. Die Deutschen tränken weniger Bier pro Kopf.

Erzeugergenossenschaft Salem-Frucht
Juliane Winter und Bernhard Fuchs von der Erzeugergenossenschaft Salem-Frucht.

Dabei geht es allerdings nicht allen Brauereien gleich: Hausbrauereien, die ein Bier speziell für eine Gaststube brauen, entstünden überall im Land und machten gute Geschäfte. Gefährdet seien hingegen Unternehmen auf dem Regionalmarkt, die zu klein für den nationalen Wettbewerb seien.

Offensive mit “Hip-Produkten”

“Wir bemerken den Konsumrückgang daran, dass wir stärker kämpfen müssen”, sagt Leibinger-Vertreter Hanno Schaar. Die großen Brauereien produzierten Millionen von Hektolitern, verkauften ihr Bier vor allem über einen günstigen Preis. Leibinger, das im Jahr 70.000 Hektoliter braut, will da nicht mitspielen. Neue Kunden sollen etwa durch Mischgetränke und fair gehandelte Ware angelockt werden – “Hip-Produkte” nennt Schaar das. Die Offensive habe sich gelohnt, der Umsatz sei in den vergangenen Jahren gestiegen.

Auch die Obsterzeuger-Genossenschaft Salem-Frucht setzt auf neue Produkte: Star der Palette ist die Apfelsorte Kiku, die die Bodensee-Erzeuger mit einer eigens erworbenen Lizenz anbauen. Das rentiert sich: Bei üblicherweise niedrigen Obstrenditen bringe ein Kiku-Apfel dem Hersteller 30 bis 40 Prozent mehr Umsatz, sagt Marketingleiter Bernhard Fuchs. Allerdings hätten die Bodensee-Erzeuger im vergangenen Jahr an mehreren Fronten zu kämpfen gehabt: Wegen geringer Erträge stiegen in ganz Europa die Preise, in der Folge verkauften die Hersteller weniger Ware. Zudem hätte Hagel rund ein Fünftel der Ernte vernichtet. Für das laufende Jahr seien die Aussichten jedoch besser – die Obstpreise hätten sich wieder stabilisiert.


DIE BRANCHE

Lebensmittelhersteller unter Druck

Vor allem Preissteigerungen waren für das Umsatzwachstum der Lebensmittelbranche im vergangenen Jahr verantwortlich. Der Sektor wuchs 2012 um gut vier Prozent auf 170,1 Milliarden Euro, wie die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) mitteilte – preisbereinigt lag das Wachstum demnach jedoch unter einem Prozent. Vor allem der Export beflügelte die Hersteller: Die Ausfuhren stiegen um mehr als elf Prozent, mittlerweile geht fast ein Drittel der Waren ins Ausland. Als Sorgenkind gelten die EU-Länder. Probleme bereiten Bauern und Herstellern zudem teuer werdende Agrarrohstoffe, steigende Pacht und Energiekosten – das dürften bald auch die Verbraucher spüren: Die BVE kündigte für das kommende Preisanstiege bei Lebensmitteln um zwei bis drei Prozent an.